Wollen uns Traditionsmarken nur blenden?

Mit aller Macht wollen nun auch Rechteinhaber von Traditionsmarken vom eBike-Boom profitieren. Sollen die bekannten Markennamen dabei über fehlende Unterscheidungskraft hinwegtäuschen? Technische Innovationen und bemerkenswerte Features haben die eBikes allesamt nicht –  abgesehen vom Markenname.

Bosch und viele andere weniger bekannte Hersteller haben den eBike-Markt geebnet. Mit der Kompetenz aus dem Bereich Antriebstechnik hat Bosch innerhalb weniger Jahre ein nunmehr weit verbreitetes eBike-Antriebssystem entwickelt und am Markt etabliert. Mit fast 60 Prozent Marktanteil kann kein Wettbewerber mithalten. Der europäische Absatz soll laut der Risk Impuls Studie der Allianz bis 2018 auf 3,3 Millionen eBikes steigen. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten bei anderen großen Unternehmen.

Neben Bosch versucht nun schon seit zwei Jahren das Unternehmen Continental in diesen Markt vorzudringen. Anstatt aus den eigenen Reihen etwas eigenes zu entwickeln, kaufte sich das Unternehmen lieber Know-how in Form der Benchmark Drives GmbH zu. Das Antriebssystem, mit dem man dann auf den Markt kam, war nur eine Integration verschiedener Komponenten zu einem eBike. Der Motor kommt von Brose, die Batterie von einem chinesischen Hersteller und das Display ebenfalls ein Zukaufteil von O-Synce. Und wo bleibt da die Ingenieurskunst von Continental? Nur kleinere eBike-Hersteller setzen bisher auf den Conti-Antrieb. Die Verkaufszahlen schätzt man auf unter 1.000 Stück im Jahr 2016.
In einem jahrelangen Forschungsprojekt hat man nun einen eigenen eBike-Motor entwickelt, der auf 48 Volt ausgelegt ist. Kann man nur hoffen, dass es mit dem neuen Antriebssystem besser läuft.

Seit diesem Jahr ist es nun auch offiziell. Weitere bekannte Marken wagen den Markteintritt. Hier stechen vor allem Telefunken und AEG ins Auge. Beide Unternehmen sind als Hersteller nicht mehr existent. Trotzdem werden noch viele Elektrogeräte unter den Markennamen verkauft. Das liegt daran, dass die Rechteinhaber die Markennutzung in Lizenz an Hersteller und Distributoren verkaufen. Die Markenrechte der AEG gehören der Electrolux AB. Die Markenrechte Telefunken werden über die Telefunken Licences GmbH vertrieben.

Trotzdem sind dieses Marken in unseren Köpfen verankert. Viele Menschen verbinden mit AEG und Telefunken noch Qualität und Tradition. Dieses Pfund soll nun auch im eBike-Markt genutzt werden. Die Karcher AG hat sich die Markenrechte für Telefunken gesichert. Prophete kooperiert angeblich mit AEG. Wer sich bei AEG die Rechte für den eBike-Bereich gesichert hat, ist derzeit noch unbekannt, vielleicht ja sogar Prophete selber.

Die Konfiguration und der Vertrieb der E-Bikes erfolgt durch den neuen Lizenzpartner Karcher AG in Deutschland, wobei die überwiegende Produktion in Kooperation mit führenden Herstellern in Europa erfolgt.

Das Zitat stammt aus der Pressemitteilung der Telefunken Licences GmbH und zeigt deutlich auf, dass hier nur zugekaufte Komponenten zu eBikes montiert werden. Neuentwicklungen werden erst gar nicht thematisiert.

Der Markenname AEG wurde vor einigen Jahren schon einmal ins Gespräch gebracht. Das heute unter dem Namen Binova bekannte eBike-Antriebssystem sollte ursprünglich unter der Marke AEG auf den Markt kommen. Nach einigen Jahren der Stille taucht der Markenname nun in Verbindung mit dem Fahrradhersteller Prophete auf. Auch die auf den Webseiten von Prophete vorgestellten AEG-Antriebssysteme sehen nicht wirklich wie deutsche Ingenieurskunst aus, was der Namen AEG natürlich suggeriert. Die Batterien werden von Samsung SDI hergestellt.

AEG und Telefunken werden bei jungen Menschen als Marke wohl kaum noch wahrgenommen und zielen auf die Generation 40+ ab. Bleibt abzuwarten, inwiefern unser Markenbewusstsein unsere Kaufentscheidung beeinflussen wird.

Vorschaubild: M.E.  / pixelio.de

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