Mifa ist wieder in Schwierigkeiten und meldet Insolvenz an

Nachdem Mifa erst im Dezember 2014 von der Unternehmerfamilie Nathusius gerettet wurde, muss das Unternehmen nun zwei Jahre später wieder Insolvenz anmelden.

Herr v. Nathusius hat vor gut zwei Jahren den Geschäftsbetrieb der Mifa AG übernommen. Mit großem Optimismus und erheblichem Einsatz privaten Kapitals hat er damit begonnen, Mifa neu aufzustellen. Ein größerer zweistelliger Millionenbetrag wurde investiert. Deutliches Zeichen dieses Engagements ist das neue Gebäude: eine der modernsten Fahrrad-Fertigungen Europas. In den letzten Monaten blieben jedoch die Umsätze zunehmend hinter den Planungen zurück. Hinzu kam, dass in Herbst und Winter marktbedingt kaum Fahrräder gekauft werden. Zugleich müssen aber nun die Teile beschafft werden, die für den Anlauf der Produktion zum Frühjahrsgeschäft benötigt werden. Angesichts der enormen Investitionen, die bereits getätigt wurden, und den hohen Umzugskosten in das neue Werk, reichte deshalb die vorhandene Liquidität für einen geordneten Geschäftsbetrieb nicht mehr aus. Das nun beginnende Eigenverwaltungsverfahren war deshalb für Mifa der logische und richtige Schritt, um die Handlungsfähigkeit zurück zu gewinnen.

Der derzeitige Gesellschafter Heinrich v. Nathusius hat Joachim Voigt-Salus, Rechtsanwalt und spezialisiert auf die Sanierung von Unternehmen, gebeten, Mifa als sogenannter Sanierungs-Geschäftsführer gemeinsam mit dem Geschäftsführungskollegen Matthias Herold neu aufzustellen. Das Ziel der neuen Geschäftsführung ist es, die Existenz von Mifa und möglichst vieler Arbeitsplätze am Standort Sangerhausen langfristig zu sichern. Herr Heinrich v. Nathusius ist gleichzeitig aus der Geschäftsführung ausgetreten und tritt somit in den Hintergrund.

Dem Antrag auf Eigenverwaltung beim Amtsgericht Halle vom 04. Januar 2017 wurde stattgegeben. Eigenverwaltung bedeutet, dass die unternehmerische Verantwortung während des Verfahrens in den Händen der Geschäftsführung bleibt. Das Insolvenzgericht hat den bereits aus der letzten Insolvenz bekannten Prof. Dr. Lucas F. Flöther als Sachverwalter bestellt. Er kennt Mifa und die Beteiligten bereits sehr gut aus dem Insolvenzverfahren, das der Übernahme durch die Familie v. Nathusius voranging.

Der Geschäftsbetrieb von Mifa soll in vollem Umfang fortgeführt werden. Dazu wurde von der neuen Geschäftsführung bereits Kontakt mit den wichtigsten Gläubigern, Lieferanten und Kunden aufgenommen. Alle haben bisher ihre volle Unterstützung bei der Restrukturierung von Mifa zugesagt.

Die rund 520 Mitarbeiter der Mifa wurden über das Eigenverwaltungsverfahren und die weiteren Schritte informiert. Die Löhne und Gehälter aller Beschäftigten sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Darüber hinaus wurde die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes eingeleitet, damit die fälligen Entgeltzahlungen schnellstmöglich überwiesen werden können. Auch die Auszubildenden können ihre Ausbildung fortsetzen.

In den kommenden Wochen wird nun in Gesprächen mit Gläubigern und Gesellschaftern geprüft, welche Optionen zur Sanierung von Mifa infrage kommen. Vorrangig wird dabei die Möglichkeit eines Insolvenzplanes erörtern. Also den Erhalt der Mifa-Bike GmbH auf der Grundlage eines Vergleichs mit den Gläubigern. Die Familie v. Nathusius hat bereits zugesagt, die Sanierung von Mifa im Eigenverwaltungsverfahren durch frisches Kapital in Millionenhöhe zu unterstützen. Wenn die Gesellschafter bereit sind, einen Sanierungsbeitrag zu leisten, sind in aller Regel auch die Gläubiger um so mehr zur Kooperation bereit.

Der neue Geschäftsführer Joachim Voigt-Salus sieht gute Chancen, dass bei Mifa am Standort Sangerhausen nach Abschluss der Sanierung weiter Fahrräder produziert werden.

Vorschaubild: Thorben Wengert / pixelio.de

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