MIFA an neuen Eigentümer übergeben – AG wird abgewickelt

Der Insolvenzverwalter der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG, Prof. Lucas F. Flöther, hat den Geschäftsbetrieb heute an den neuen Eigentümer übertragen. Mit dem Vollzug des Kaufvertrags ist die Sanierung des insolventen Unternehmens abgeschlossen. Der Standort in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) und alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Der absatzstärkste deutsche Fahrradhersteller wird zukünftig unter dem Namen „Mifa-Bike-Gesellschaft mbH“ firmieren.

„Die Übergabe des Geschäftsbetriebs an den Käufer ist der Schlusspunkt einer erfolgreichen Sanierung im Insolvenzverfahren“, so Insolvenzverwalter Flöther. „Besonders freut mich, dass alle Arbeitsplätze gerettet werden konnten und ich den Geschäftsbetrieb mit für das ganze Jahr 2015 gefüllten Auftragsbüchern übergeben kann.“ Flöther hatte am 11. Dezember 2014 mit dem Erwerber einen Kaufvertrag geschlossen. Nachdem in den zurückliegenden Wochen alle vertraglichen Auflagen erfüllt worden sind und die Genehmigung der Kartellbehörden vorliegt, konnte der Betriebsübergang nun vollzogen werden.

Käufer von MIFA ist die Familie von Nathusius, die auch Eigentümerin der IFA ROTORION- Holding GmbH in Haldensleben ist. Mit dem Geschäftsbetrieb gehen sämtliche Vermögensgegenstände von MIFA inklusive der betriebsnotwendigen Grundstücke auf den Käufer über. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart.

Flöthers Aufgabe ist es nun, die MIFA AG abzuwickeln und die Forderungen der Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. Zu diesem Zweck hatte der Insolvenzverwalter Anfang Januar bereits das Delisting der Aktie beantragt. Darüber hinaus wird die komplette Buchhaltung der letzten Jahre gesichtet und mögliche Anfechtungs- und Schadensersatzansprüche geprüft. Eine Durchsetzung solcher Ansprüche würde die Insolvenzmasse erhöhen und sich somit auf die für die Gläubiger zu erwartende Quote auswirken. Eine Schätzung der zu erwartenden Quote ist daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. „Bei einem Verfahren dieser Größe wird die Abwicklung sicher noch einige Jahre in Anspruch nehmen“, so Flöther.

Die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG hatte am 29. September 2014 Insolvenz angemeldet, nachdem die angestrebte außergerichtliche Investorenlösung gescheitert war. Das Insolvenzverfahren war zunächst in Eigenverwaltung geführt worden. Gut eine Woche nach dem Antrag hob das zuständige Insolvenzgericht Halle die vorläufige Eigenverwaltung auf Anregung des Gläubigerausschusses jedoch wieder auf und bestellte Flöther zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Dem Insolvenzverwalter gelang es binnen kurzer Zeit, verloren gegangenes Vertrauen bei Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern zurückzugewinnen. In der Folge konnten sogar Aufträge gewonnen werden, die bereits verloren geglaubt waren. Auch ein Schlüssellieferant verzichtete fortan auf zusätzliche Sicherheiten bei der Lieferung, die er während der Eigenverwaltung noch eingefordert hatte. Gleichzeitig leitete Flöther die finanzwirtschaftliche Sanierung des Unternehmens ein. Dank der umgesetzten Sanierungsmaßnahmen ist die Auftragslage für das Jahr 2015 sogar etwas besser, als die Auftragslage des Vorjahres. Bei der Betriebsfortführung und der Investorensuche wurde Flöther von der hww Unternehmensberater GmbH unter der Leitung des Sanierungsexperten Stefan Weniger, der vor dem Insolvenzantrag bereits als Sanierungsvorstand bei MIFA tätig war, unterstützt.

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