Innovationsforum „Sound & Sicherheit“ – Das Klangparfüm

Selten klang das Ziel einer Unternehmen-Region-Initiative so poetisch. Das Innovationsforum „Sound & Sicherheit“ will dem Elektrofahrrad „eine Stimme geben“. Dafür greifen die Partner auf neueste Technologien zurück – und auf ein 100 Jahre altes Geräusch.


Brüllende Löwen jagen durch den Raum, kreischende Affen hangeln sich an der Decke entlang, schließlich umrundet ein rhythmisch trommelnder Medizinmann die Feuerstelle und versetzt die knapp 100 Gäste des Innovationsforums „Sound & Sicherheit“ in einen tranceähnlichen Zustand.

Es ist ein überraschendes Szenario, das sich an diesem sonnigen Maitag 2015 in den Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden abspielt. Vor allem aber ist es ein rein akustisches Szenario. Löwen, Affen und der Medizinmann werden von der sogenannten Wellenfeldsynthese zum Leben erweckt – einer Technologie, die virtuelle Soundobjekte frei im Raum positioniert oder bewegt und auf diese Weise die Akustik der Natur realistisch nachbauen kann.

Wie klingt die Stadt der Zukunft?

Doch trotz unvergleichlichem Klangerlebnis: Die Wellenfeldsynthese ist heute kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um die Stadt der Zukunft zu gestalten. Das wird den Forumsgästen spätestens dann klar, als statt Tieren und Menschen Elektrofahrräder zu hören sind, die seit einigen Jahren nicht nur in Deutschland einen Verkaufsboom erleben. Doch wie soll das Pedelec der Zukunft klingen? Und wie ein Schwarm von 15, 50 oder gar 150 Rädern?

Theoretisch ist das gar nicht so schwer zu beantworten – zumindest nicht für Friedrich Blutner. Der Initiator des Innovationsforums von der Synotec Psychoinformatik GmbH verdichtet die akustischen Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft auf ein Schlagwort: „SAVE – das ist die Kombination aus Sicherheit, Alarmfunktion, Vitalität und Emotion.“ Diese vier Aspekte wird beachten müssen, wer das Fernziel des Innovationsforums erreichen möchte: dem Fahrrad eine Stimme zu geben – oder wie Friedrich Blutner sagt: „ein Klangparfüm für Elektroräder herzustellen“.

Vom Klacken zum Schnarren

Auf diesen akustischen Duft der Pedelecs bot das Innovationsforum bereits einen Vorgeschmack: Bei der bisherigen Entwicklung eines Sounds für die e-mobile Zukunft greifen die Wissenschaftler und Sounddesigner um Friedrich Blutner auf einen seit über 100 Jahren bekannten Klang zurück: das Freilaufgeräusch der Hinterradnabe. Dieses steigert sich mit zunehmender Geschwindigkeit vom gemächlichen Klacken bis zum hochfrequenten Schnarren.

Dabei soll der Pedelec-Sound nicht etwa durch einen herkömmlichen Lautsprecher, sondern mittels Körperschall abgestrahlt werden, vor allem über den Rahmen. Der Effekt: ein für den Fahrer sowie für andere Verkehrsteilnehmer weitaus natürlicheres Hörerlebnis.

Sound-Marken und Schutzrechte

Bis E-Bike-Sound aus Sachsen tatsächlich millionenfach über deutsche und ausländische Radwegen strömt, gilt es allerdings noch eine Reihe von Themenfeldern zu bearbeiten – wie in den unterschiedlichen Vorträgen auf dem Innovationsforum deutlich wird: Lassen sich die Grundsätze der natürlichen Spracherzeugung auf das E-Bike übertragen? Welche Prinzipien gilt es beim Aufbau und dem Einsatz von Sound-Marken zu beachten? Und inwieweit lassen sich akustische Innovationen mit gewerblichen Schutzrechten absichern?

Das Thema ist in jedem Fall hochaktuell. Derzeit beschäftigen sich das europäische Parlament und der Rat der EU mit einem akustischen Warnsystem für Hybrid- und Elektrofahrzeuge (AVAS); ab dem Jahr 2021 sollen Hersteller es in all ihre Neufahrzeuge einbauen. Bis dahin sollte der Boom von Elektrofahrrädern ungebrochen sein, wenn man Hannes Neupert glaubt. Denn der E-Bike-Experte von der ExtraEnergy Test GmbH ist überzeugt. „Das Pedelec erreicht erst im nächsten Jahrzehnt seine Hochkultur.“

Weitere Informationen zum Innovationsforum Sound & Sicherheit finden Sie hier.


Mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) / Unternehmen Region.
Quelle: unternehmen-region.de
Bild: Frau.K  / pixelio.de

 

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