Fatbikes sind im Kommen – mit und ohne Motor

Fatbike Reifenvergleich

Quelle: www.pd-f.de / Mathias Kutt

Zunächst sind Fatbikes echte Hingucker: Ihren Namen haben sie von den extrem voluminösen Reifen – bis zu 4,9 Zoll (ca. 12 cm) breit können sie werden. Vom Mountainbike kommend hat sich das Fatbike mittlerweile als eigene Radgattung etabliert – irgendwo zwischen Spaß, Geländeeignung und Expedition. Aufgrund der immensen Auflagefläche der Reifen und ihres sehr niedrigen Luftdrucks (ca. 0,5 Bar) bieten die Räder eine immense Traktion, was sie als Geländerad für die nasse, schneereiche Jahreszeit ebenso wie für losen Untergrund prädestiniert – und darum auch als Extrem-Reiserad. Der süddeutsche Hersteller Velotraum prägte den treffend umschreibenden Begriff “Omniterra-Nutzspielzeug”.
Geboren wurden die dicken Räder im Schnee Alaskas (u. a. im Rahmen der Fahrrad-Befahrung des Schlittenhunderennens Iditarod) und rollten etwa zwanzig Jahre in der Nische. Neben ein paar Maßrahmenbauern machte sich seit ca. 2005 vor allem die nordamerikanische Firma Surly um die Marktpräsenz der dicken Räder verdient, bot Rahmen, Reifen, Schläuche und Felgen an. 2013 erlebten Fatbikes einen weltweiten Durchbruch –  jeder größere und so manch kleinerer Anbieter hat nun mindestens ein Modell  im Programm.

Expeditions-Reiserad

Fatbike „Pilger“ von Velotraum

Quelle: www.pd-f.de / pressedienst-fahrrad

Das Fatbike „Pilger“ der schwäbischen Manufaktur Velotraum (ab 2.500 Euro) war 2013 einer der dicken Vorreiter aus Deutschland. Es macht sich die langjährige Erfahrung des Herstellers im Segment individueller Reiseräder zueigen und ist so z. B. ebenfalls im Baukastensystem konfigurierbar (u. a. Schaltung, Beleuchtung, Farbe). Der Aluminiumrahmen verfügt über die nötigen Gewinde und Ösen zur Montage von Gepäck- und Flaschenträgern, auch die hauseigene Stahl-Gabel lässt sich mit Gepäckträgern aller Art ausrüsten. Ursprünglich eigens für Velotraum konstruierte der führende deutsche Gepäckträgerhersteller Tubus das Modell „Fat“, das mittlerweile auch regulär erhältlich ist und dem Hinterrad die nötige Reifenfreiheit bietet.

Sport mit massig Reserven

Quelle: www.pd-f.de / Kay Tkatzik

Quelle: www.pd-f.de / Kay Tkatzik

Dass sich die optisch etwas behäbigeren Bikes durchaus auch sportlich bewegen lassen, entdecken immer mehr Fans des Mountainbikes. Zum Produktjahr 2015 hält die Bike-Welt unterschiedliche Konzepte bereit. Den Einstieg gibt es für unter Tausend Euro: 999 Euro legt man für das „Double Double 70“ von Felt auf die Theke, dafür erhält man 20 Gänge und Scheibenbremsen der Mittelklasse. Auf die Waage bringt es ?? Kilogramm. Der Rahmen ist aus Aluminium, ebenso die starre Gabel. Das hohe Reifenvolumen der Fatbikes bietet eine gute rudimentäre Federung wie Dämpfung, weswegen viele Fatbike-Designer auf federnde Elemente verzichten.
Seit Mitte 2014 sind jedoch auch Federgabeln mit dem nötigen Reifendurchlass erhältlich, wie die „Bluto“ von RockShox (luftgefedert, ab 572 Euro). Zum Beispiel für diese Gabel bietet die norddeutsche Mountainbike-Manufaktur Nicolai den Rahmen „Argon Fat“ an, der einerseit eine sportliche Geometrie und moderne Mountainbike-Features aufweist, wie etwa Aufnahmen für Kettenführung und verstellbare Sattelstützen. Andererseits ist er für alle Antriebsformen vorbereitet, ob Naben- oder Kettenschaltung, Singlespeed oder Gates-Carbonriemen anstatt einer Kette. Mit dem Produktjahr 2015 finden sich auch erste Serien-Fatbikes mit Vollfederung, wie das Salsa „Bucksaw“ mit jeweils 100 mm Federweg an Front und Heck.

Fette Schlappen unter Strom

Haibike Fatbike FatSix E-Bike Bosch

Quelle: www.haibike.de | pd-f

Besonders gut zu den Überall-hin-Fahrrädern mit dicken Reifen scheint das Thema Elektrifizierung zu passen. Kein Wunder also, dass Felt mit dem „Lebowsk-E“ schon 2013 das erste E-Fatbike vorgestellt wurde. Der Bosch-Antrieb an der Tretkurbel sorgt hier ausgewogenes Handling. Auf der 2014er Weltleitmesse Eurobike stellte beispielsweise auch der Schweinfurter Hersteller Haibike sein Modell „FatSix“ vor, ebenfalls mit Bosch-Motor, serienmäßig aber mit Federgabel ausgestattet.

Bedeutung in der Branche und Ausblick

Am Fatbike zeigt sich deutlich das in der gesamten Branche gestiegene Entwicklungstempo: Während Twentyniner (29-Zoll-Mountainbikes) recht langsam anliefen und sowohl Zulieferer (für Reifen, Gabeln etc.) als auch Radhersteller eher zögerlich ihr Spektrum in der Größe erweiterten, hielt das Fatbike quasi innerhalb eines Produktzyklus’ Einzug. Fatbikes lassen nicht nur Mountainbiker und Reiseradler ihre Passion neu entdecken (oder geben ihnen die vierte Jahreszeit zurück), sondern sie befeuern auch sichtlich den Spieltrieb der Produktentwickler in der Fahrradbranche. So fanden sich innerhalb kürzester Zeit Studien zu Kinderrädern, Liegerädern, Liegedreirädern, Lastenrädern oder auch Einrädern auf den einschlägigen Seiten im Netz.

Quelle: Pressedienst-Fahrrad

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