eBike-Verleihsystem Wedelecs vom Steuerzahlerbund als Verschwendung angeprangert

Foto_Akkueinsatz_webDas im April in die dritte Saison gestartete eBike-Verleihsystem Wedelecs in Wedel wird vom Bund der Steuerzahler als Verschwendung angeprangert.

Seit August 2012 gibt es in Wedel (Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein) ein eBike-Verleihsystem mit dem die Stadt Wedel zusammen mi den Stadtwerken Wedel ein zu diesem Zeitpunkt einmaliges Verleihsystem etablieren wollte. Heutzutage weiß man, dass für die Etablierung eines vollautomatischen Verleihsystems in einer Stadt mit 32.000 Einwohnern mehr dazu gehört, als die Investition und die Infrastruktur. Alle Beteiligten vom Bürger über Gewerbebetreibende und Industrie bis hin zu den Gesundheitseinrichtungen müssen dabei an einem Strang ziehen. Dafür bedarf es einer gehörigen Portion Transparenz und Kommunikation.

Das Wedelecs Verleihsytstem gilt eins der ersten in Deutschland, bei dem man das ausgeliehene eBike nicht zwingend am selben Ort wieder abgeben muss. Zwei vollautomatische Verleihsyteme können die Rücknahme und Ausgabe rund um die Uhr organisieren. Dazu kommen zahlreiche Gewerbetreibende, bei denen man zusätzlich eBike ausleihen kann und ein intelligentes Brain, quasi die Software, die dafür sorgt, dass alles gemanagt wird.

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) schreibt dazu in seinem Schwarzbuch 2014 unter der Überschrift „Stadtwerke radeln mit E-Bikes ins Minus“:

Elektromobilität ist derzeit in. Doch das heißt noch lange nicht, dass alle wirtschaftlichen Aktivitäten in diesem Bereich von Erfolg gekrönt sind. Diese Erfahrung müssen auch die Stadt Wedel und ihre als GmbH geführten Stadtwerke machen. Mit dem Verleih von Elektrofahrrädern unter dem Markennahmen „Wedelecs“ hat man bis heute nur Defizite eingefahren. Dabei war ursprünglich eine Kostendeckung angestrebt. An aktuell 13 Stationen bieten die Stadtwerke hochwertige Elektrofahrräder Touristen und Einheimischen zur Miete an. Die insgesamt 50 Mieträder wurden im gesamten Jahr 2013 aber nur 900 Mal ausgeliehen. Das reicht für einen wirtschaftlichen Betrieb bei weitem nicht aus. So führte das Projekt bei den Stadtwerken in den Jahren 2012 und 2013 zu einem Defizit von jeweils rund 76.000 Euro. Hinzu kommt ein jährlicher städtischer Zuschuss von 30.000 Euro. Auch für 2014 erwartet man keine wesentliche Verbesserung des Ergebnisses. Unterm Strich stünde nach drei Jahren ein Defizit von rund 300.000 Euro. Dennoch will man bei den Stadtwerken und der Stadt an dem Projekt festhalten: Die Stadt sieht ihren Zuschuss als wesentlichen Beitrag zur Förderung des Radverkehrs und der Elektromobilität. Und die Stadtwerke buchen das Defizit als Marketingaufwand, weil man sich dadurch eine Förderung des Geschäftszweigs Elektromobilität erhofft, mit dem man beispielsweise über eine Stromtankstelle für Elektroautos künftig Geld verdienen will. Und so wird „Wedelecs“ weiter kräftig beworben – mit Tourenvorschlägen und Radwanderkarten für das landschaftlich reizvolle Elbufer unterhalb Hamburgs. In anderen Bereichen ist die Stadt Wedel nicht so großzügig. Im Juli 2014 wurde ein 100-Punkte-Sparkonzept für das Haushaltsjahr 2015 vorgelegt. Die Einsparungen von insgesamt drei Millionen Euro pro Jahr sollen beispielsweise auch bei der Volkshochschule und der Musikschule erfolgen. Außerdem will man durch die Parkraumbewirtschaftung zusätzliche Einnahmen erzielen. [Quelle: Bund der Steuerzahler]

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Wedelecs Verleihstation Bahnhof

In den Reihen der Fraktionen des Stadtrates werden derzeit auch kritische Stimmen laut, die das Geld lieber in die Infrastruktur des öffentlichen Personenverkehrs gesteckt hätten und die Kosten von 30.000 EUR pro Jahr für die Stadt Wedel als unangemessen erachten. Die Stadtwerke machen einen jährlichen Verlust von 76.000 EUR.

Die CDU und die WSI (Wedeler Soziale Initiative) sehen derzeit keinen Handlungsbedarf und wollen an der Strategie weiter festhalten. Die CDU Fraktion sieht das vollautomatische Verleihsystem als Stadtmarketing an.

Bleibt zu wünschen, dass sich viele Touristen und ein paar mehr von den 32.000 Einwohnern auf eBike schwingen und ordentlich für Umsatz sorgen. immerhin bliebt es in der Stadt.

[Stadt Wedel im www] | [Wedelecs im www] | [Schwarzbuch 2014]

Bilder: Stadtwerke Wedel

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