ConoDrive – ein weiterer Reibradantrieb als eBike Nachrüst-Lösung

Das Interesse an eBike Nachrüstsystemen ist weiterhin ungebrochen hoch. Das können wie an der Resonanz unserer Artikel ablesen. Die Motive dafür sind vielfältig. Zum einen finden Radler es eine schöne Vorstellung, sein eigenes geliebtes Fahrrad in ein eBike zu verwandeln und zum anderen spielt bestimmt auch das Thema Kostenoptimierung eine Rolle. Neben den klassischen Hinterradantriebssystemen, die man in spezialisierten Fachwerkstätten nachrüsten lassen kann oder die Smart Wheels wie FlyKly, Kopenhagen Wheel oder Centinel Wheel, bei denen alle Antriebskomponenten im Hinterrad verbaut sind, drängen nun auch Reibradantriebe zum Nachrüsten auf den Markt.

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Kleinere, leichte Motoren, die hochfrequent drehen und direkt am äußeren Radius des Laufrades sitzen. Hier gibt es wiederum zwei verschiedene Arten: entweder überträgt ein Reibrad die Kraft von oben direkt auf den Mantel des Laufrades oder seitlich an die Felge. Die erste Variante wurde von Hidden Power aus Korea umgesetzt, die zweite Variante von einem deutschen Unternehmen namens Velogical Engineering GmbH und dem österreichischen Newcomer go-e ONwheel.

Nun kommt ein weiterer Hersteller hinzu – ConoDrive aus Mainz. Ab dem 01.09. läuft zur Finanzierung der Serienentwicklung eine Crowdfunding Kampagne auf Startnext. Aus Sicht des Unternehmens hat der elektrische Rückenwind schwerwiegende Nachteile: Mit Motor, Akku und Verkabelung bringt ein Pedelec mit Gewichten zwischen 21 und 28 kg gut und gerne 8-10kg mehr Gewicht auf die Waage als ein herkömmliches Rad. „Das ist so lange kein Problem wie der Akku voll ist oder das Pedelec nicht getragen oder gehoben werden muss“ weiß Alexander Theis „und auch der Transport auf einem herkömmlichen Fahrradträger am Auto scheidet meist aus“.

ConoDrive Reibradantrieb eBike

Pedelec-Problem: Hohes Gewicht und Effizienz

In der Praxis ist das hohe Gewicht daher oft ein Problem, das man zunächst nicht wahrnimmt. Und es kommt noch ein weiteres dazu: Der Antrieb eines herkömmlichen Pedelec erhöht die Fahrwiederstände auch wenn er nicht in Benutzung ist! Denn auch wenn der Motor ausgeschaltet ist verursacht er durch die elektrischen Komponenten einen Widerstand, der erst überwunden werden muss. „Das kann jeder, der ein Pedelec mit einem Vorderrad- oder Hinterradantrieb besitzt mit einem einfachen Experiment selbst überprüfen.“ erklärt Alexander Theis „Man muss lediglich das Rad anheben und das angetriebene Rad bei ausgeschaltetem Motor mit der Hand drehen. Im Vergleich mit einem herkömmlichen Fahrrad fällt sofort auf, das sich das Rad schwerer drehen lässt.“ Bei Motoren mit Getrieben und Freilauf sei das zwar weniger ausgeprägt, doch dafür kämen da noch die Reibungsverluste durch das Getriebe dazu. Im Ergebnis rollen Pedelec meist wesentlich langsamer als Fahrräder ohne Elektromotor. Und das hohe Gewicht des Rades sorgt oft zusätzlich dafür, das mit eingeschaltetem Motor gefahren wird, obwohl es auf Grund der Strecke vielleicht gar nicht nötig wäre.

Die Lösung: ConoDrive

„Und genau da setzt unser Antrieb an“ erläutert Alexander Theis von ConoDrive. „ConoDrive treibt über eine speziell entwickelte Reibrolle das Hinterrad an. Die Form und Struktur der Rolle sorgen gemeinsam mit der besonderen Aufhängung des Antriebs für stets perfekte Traktion am Rad. Auch bei Nässe oder steilen Anstiegen rutscht der Antrieb nicht durch. Wird der Antrieb nicht benötigt, kann er einfach mechanisch vom angetriebenen Rad getrennt werden. Dadurch verursacht der Antrieb keinerlei Energieverluste, wenn er nicht benötigt wird. Ein mit ConoDrive nachgerüstetes Rad fühlt sich bei ausgeschaltetem Antrieb an wie ein „normales“ Fahrrad. Das war auch für mich ein ganz ungewohntes Gefühl“.

ConoDrive Reibradantrieb eBike

Theis, der sich seit Jahren intensiv mit der Thematik „Pedelec“ beschäftigt und zwei Online-Blogs zum Thema betreibt, kam im Rahmen von Recherchen mit José Fernandez in Kontakt. Fernandez ein drahtiger, begeisteter und ambitionierter Radfahrer, ärgerte sich darüber, dass er mit den meist jüngeren Rennradkollegen an Anstiegen, von denen es rund um seinen Wohnort am Bodensee eine ganze Menge gibt, nicht mehr mithalten konnte. Dadurch wurden die gemeinsamen Ausfahrten für ihn immer stressiger. Als Physiker sann er auf Abhilfe. Schnell war klar, das ein herkömmliches Pedelec auf Grund der Verluste beim Antrieb und dem hohen Gewicht nicht in Frage kam. „Auf den meisten Strecken fahre ich mühelos schneller als die 25 km/h, bis zu der ein Pedelec-Antrieb unterstützen darf. Und ein Fahrrad mit einem Gewicht von bis zu 28 kg wollte ich nicht auf die Berge wuchten“ schmunzelt Fernandez.

Entwicklungsvorgabe: Geringes Gewicht und hohe Effizienz

Bei der Entwicklung stand außerdem das Thema „Effizienz“ ganz oben im Lastenheft. „Es sollte ein leichter, effektiver Antrieb werden, der einfach und schnell an geeignete Räder nachgerüstet werden kann. Ziel war es ein leichtes, sportliches Pedelec auf die Räder zu stellen, mit dem man problemlos steile Alpenpässe bezwingen kann. Der Versuchsträger wiegt, inklusive Beleuchtung, Dynamo, Gepäckträger und Schutzblechen unter 11 kg!“ freut sich Alexander Theis. „Alle Komponenten des Antriebs wiegen nur etwa 4,5 kg. Mit den damit ausgerüsteten Fahrrädern erreichen wir Reichweiten von bis zu 200 km oder 2.000 Höhenmeter, das ist mit einem herkömmlichen Pedelec zur Zeit nicht zu schaffen.“ ergänzt José Fernandez.

Die Prototypen werden von einer breiten Basis an Radfahrern im Alltagseinsatz gefahren um wertvolle Erfahrungen zu sammeln: Von ambitionierten Hobby-Radlern, über Tourenradler, Müttern mit Kinderanhänger oder älteren Damen und Herren ist alles dabei. „Eine ältere Dame ist ganz begeistert von dem Fahrgefühl und vor allem davon, das sie ihr Rad jetzt wieder selbst in den Keller tragen kann. Was bei einem Gewicht von unter 16 kg auch kein Wunder ist.“ lacht Fernandez.

ConoDrive Reibradantrieb eBike

Das Ziel: Serienprodukt

„Nach einer Probefahrt mit einem der Prototypen war ich vollkommen begeistert von dem Fahrerlebnis“ gesteht Alexander Theis. „Als ich hörte, das Herr Fernandez es bei den Prototypen belassen wollte, entschied ich mich, die Entwicklung des Antriebs zum Serienprodukt zu übernehmen.“ Mit der Gründung des Start-Ups „ConoDrive“ und der Unterstützung einer Crowdfunding-Kampagne bei Startnext.com ab dem 01.09.2015 soll der Antrieb bis zum Frühjahr 2016 zum serienreifen Produkt weiterentwickelt werden. „Mein Ziel ist es, das Serienmodell des „ConoDrive Sport“ auf der Spezialradmesse in Germersheim im April 2016 zu präsentieren“ steckt Alexander Theis den Zeitplan ab. Eine zwar ambitionierte aber realistische Zeitplanung, denn: „Die Gespräche mit den Produktionspartnern verliefen sehr positiv. Alle sind sehr motiviert, den Antrieb weiterzuentwickeln“. Der Name „ConoDrive“ leitet sich übrigens von der Form der Antriebsrolle ab, die zweien mit der Spitze aufeinandergestellten Kegeln ähnelt. „Bei der Namensgebung für mein Unternehmen habe ich mich davon inspirieren lassen. „Kegel“ heißt auf spanisch „cono“, der Name „ConoDrive“ ist auch als eine Verbeugung an den Entwickler des Antriebs José Fernandez, der gebürtiger Spanier ist, zu verstehen.“ erläutert Alexander Theis.

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Bilder: ConoDrive

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